Blick über die Schulter auf einen Bildschirm mit einem Diagramm: wer seine KI-Sichtbarkeit messen will, findet die Zahlen in der Search Console

KI-Sichtbarkeit messen: ein Jahr Google AI Mode in Deutschland

Von hundert Besuchen auf einer Google-Suchseite, über der eine KI-Antwort steht, führen acht zu einem Klick auf ein Suchergebnis. Ohne KI-Antwort sind es fünfzehn. Seit dem 31. August 2026 lässt sich die eigene KI-Sichtbarkeit zum ersten Mal nachsehen: Die Search Console zeigt, wie oft Seiten einer Website in KI-Übersichten und im KI-Modus auftauchen. Bei wenigen Einblendungen bleibt der Bericht allerdings leer. Klicks zeigt er ohnehin nicht, und da fängt das eigentliche Problem an.

Am 7. Oktober 2025 hat Google den KI-Modus auf über 40 weitere Länder und mehr als 35 Sprachen ausgeweitet. Deutschland war dabei. Ein Jahr später lässt sich ein Teil davon belegen, und ein Teil eben nicht.

Wo du nachsiehst: in der Search Console, im Leistungsbericht zu generativen KI-Funktionen. Dort steht, wie oft Seiten deiner Website in KI-Antworten eingeblendet wurden und welche URLs das betrifft. Das ist eine Sichtbarkeitskennzahl und keine Messung der Klicks oder Anfragen, die daraus entstehen. Wie du den Bericht liest, steht weiter unten.

Was aus dem Start vor einem Jahr geworden ist

Deutsch steht heute in der Google-Hilfe als unterstützte Sprache, Deutschland als unterstütztes Land. Der KI-Modus ist damit kein Versuchsfeld mehr, sondern ein fester Teil der Suche. Wer vor einem Jahr gelesen hat, dass der AI Mode in Deutschland startet, bekommt dafür jetzt die Bestätigung.

Angekommen ist allerdings nicht alles. Die stärkste Ausbaustufe, Gemini 3 Pro im KI-Modus, gibt es bisher nur auf Englisch, nur in bestimmten Ländern und nur mit einem kostenpflichtigen Google-Abo. Deutschland steht nicht auf dieser Liste. Was deine Kunden hier sehen, ist die Grundversion.

Für einen Betrieb ändert das wenig. Deine KI-Sichtbarkeit hängt nicht davon ab, welches Modell die Antwort schreibt, sondern davon, ob deine Seite darin vorkommt.

Was der KI-Modus inzwischen kann

Eine Frage wird dort nicht mehr als Suchanfrage behandelt, sondern in Unterthemen zerlegt, die gleichzeitig recherchiert werden. Danach sind Rückfragen möglich, ohne dass der Zusammenhang verloren geht. So beschreibt Google den Ablauf in der eigenen Hilfe.

Dazugekommen ist im Lauf des Jahres die Personalisierung. Wer volljährig ist und seinen Suchverlauf aktiviert hat, bekommt Antworten, die auf frühere Suchen und Aktivitäten Bezug nehmen. Der Modus merkt sich Angaben und lässt sich anweisen, einzelne davon wieder zu vergessen. Zusätzlich lassen sich Google-Dienste verbinden, zunächst Gmail, Kalender und Fotos.

Daraus folgt etwas, das für die eigene KI-Sichtbarkeit wichtiger ist als jede Ranking-Theorie: Zwei Kunden mit derselben Frage können unterschiedliche Antworten sehen. Eine feste Position im Sinne von Platz drei gibt es dort nicht mehr. Deshalb zeigt dir auch kein Werkzeug, auf welchem Platz du im KI-Modus stehst, und deshalb arbeitet Googles eigener Bericht mit Impressionen statt mit Positionen.

Die eine Zahl, die seit einem Jahr belastbar ist

Das Pew Research Center hat im Juli 2025 ausgewertet, wie sich das Klickverhalten ändert, wenn über den Ergebnissen eine KI-Zusammenfassung steht. Grundlage sind 900 erwachsene Teilnehmer aus den USA, deren Surfverhalten im März 2025 aufgezeichnet wurde, insgesamt 68.879 Suchanfragen. Bei 18 Prozent davon erschien eine KI-Zusammenfassung.

Das Ergebnis: Mit KI-Zusammenfassung führten 8 Prozent der Besuche zu einem Klick auf ein klassisches Suchergebnis, ohne Zusammenfassung 15 Prozent. Auf einen Link innerhalb der KI-Antwort klickte 1 Prozent. Die Zahlen stehen offen beim Pew Research Center.

Seitdem werden diese acht Prozent überall zitiert, meist ohne den Rest. Also der Rest: Die Erhebung stammt aus den USA, sie ist anderthalb Jahre alt, und sie misst KI-Zusammenfassungen, nicht den KI-Modus. Für einen Handwerksbetrieb im Rhein-Erft-Kreis ist sie ein Hinweis, kein Beweis.

Google widerspricht ihr. Im August 2025 schrieb Liz Reid, die Leiterin der Google-Suche, das gesamte organische Klickvolumen zu Websites sei im Jahresvergleich relativ stabil geblieben, die Qualität der Klicks sogar leicht gestiegen. Belegt hat Google das mit keiner einzigen Zahl. Wer eine Studie mit 900 Teilnehmern für methodisch schwach erklärt und selbst nichts vorlegt, macht es dem Leser schwer, ihm zu glauben.

Genau deshalb ist die dritte Entwicklung dieses Jahres die wichtigste: Du musst dich nicht mehr zwischen zwei fremden Darstellungen entscheiden, sondern kannst in deinen eigenen Zahlen nachsehen.

KI-Sichtbarkeit messen: was der neue Bericht in der Search Console zeigt

Angekündigt hat Google den Bericht am 3. Juni 2026, zunächst nur für einen Teil der Websites. Seit dem 31. August 2026 ist er weltweit freigeschaltet. Du findest ihn in der Search Console bei den Leistungsberichten, neben dem gewohnten Bericht zu den Suchergebnissen.

Schreiner mit Tablet in der Werkstatt: für kleine Betriebe lässt sich die KI-Sichtbarkeit mit denselben Mitteln verbessern wie das Ranking
Foto: aleksandarlittlewolf / Freepik

Der Bericht enthält Impressionen aus zwei Funktionen: Übersichten mit KI und KI-Modus. Eine Impression bedeutet, dass ein Link zu deiner Website jemandem in einer dieser Funktionen angezeigt wurde. Experimente aus Search Labs zählt Google nicht mit, weil sie sich noch in Entwicklung befinden.

Aufschlüsseln lässt sich nach Seiten, Ländern und Geräten. Die Daten stammen aus dem Suchtyp Web, also aus textbasierten und multimodalen Suchen. Die jüngsten Tage sind vorläufig und im Diagramm gepunktet dargestellt, sie können sich noch ändern.

So gehst du vor: Sieh dir zuerst den Verlauf der Impressionen an, dann die Seiten mit den meisten Einblendungen, dann die Länder. Den Zeitraum kannst du stündlich, täglich, wöchentlich oder monatlich betrachten. Nimm den längeren Verlauf und nicht einzelne Tage, sonst liest du aus einem Ausschlag etwas heraus, das am nächsten Morgen schon wieder anders aussieht.

Wenn du den Bericht gar nicht siehst, hat deine Website nach Googles Maßstab zu wenige Impressionen in diesen Funktionen gesammelt. Bei einer Seite mit ein paar hundert Impressionen im Monat ist das der Normalfall und kein Fehler.

Was der Bericht verschweigt

Klicks. Auf der gesamten Hilfeseite steht keine Klickzahl, keine Klickrate und kein Vergleich mit der normalen Suche. Der Bericht kennt nur Impressionen.

Praktisch heißt das: Du siehst, dass deine Seite in KI-Antworten auftaucht. Du siehst nicht, ob daraus ein Besuch wird. Die KI-Sichtbarkeit ist messbar geworden, ihr Ertrag nicht.

Hier werde ich bei Angeboten misstrauisch. Wenn dir jemand zusagt, deine KI-Sichtbarkeit in Klicks oder in Umsatz auszuweisen, hat er diese Daten nicht. Google schreibt im eigenen Leitfaden, dass kein Werkzeug von Dritten Zugriff auf die internen Ranking- und KI-Systeme hat. Alles darüber hinaus ist eine Hochrechnung, und sie sollte auch so verkauft werden.

Was dir trotzdem bleibt: Notiere dir einmal im Monat zwei Werte nebeneinander, die Gesamtklicks aus der Suche und die Impressionen aus den KI-Funktionen. Steigen die Impressionen, während die Klicks fallen, kennst du zwar nicht den Grund, aber du weißt, wo du hinsehen musst. Das ist mehr, als die meisten Betriebe über ihre KI-Sichtbarkeit wissen.

Was ist mit ChatGPT und anderen KI-Suchdiensten?

Die Search Console beantwortet nur einen Teil der Frage. Sie zeigt die unterstützten KI-Funktionen von Google, aber nicht, ob dein Betrieb in Antworten von ChatGPT oder Perplexity vorkommt. Dafür gibt es Werkzeuge, die festgelegte Fragen regelmäßig stellen und protokollieren, was zurückkommt. Das sind Stichproben und keine vollständige Messung dessen, was alle Nutzer tatsächlich sehen. Für einen kleinen Betrieb würde ich zuerst die vorhandenen Google-Daten sauber auswerten, bevor Geld in solche Werkzeuge fließt.

Du kannst deine Website ausschließen, aber überleg es dir

In den Einstellungen der Search Console gibt es den Punkt Generative KI in der Google Suche. Dort lässt sich festlegen, dass Links und Inhalte deiner Website nicht in diesen Funktionen erscheinen. Standard ist, dass sie erscheinen.

Google benennt die Folgen offen. Du bekommst über diese Funktionen keine Zugriffe und keine Impressionen mehr, Inhalte anderer Websites bleiben dort weiterhin verfügbar. Die Einstellung greift nach ein bis zwei Tagen und wird laut Google nicht als Ranking-Signal für andere Bereiche der Suche verwendet.

Zwei Dinge werden dabei regelmäßig verwechselt. Diese Einstellung hat keinen Einfluss darauf, ob deine Inhalte für KI-Training verwendet werden, dafür ist Google-Extended zuständig. Und sie versteckt deine Seite nicht in der Suche, dafür wäre noindex nötig.

Für einen kleinen Betrieb ist es fast immer der falsche Hebel, die eigene KI-Sichtbarkeit auf null zu setzen. Du nimmst dich von einer Fläche herunter, auf der deine Kunden gerade nachsehen, und bekommst dafür nichts zurück. Sinnvoll ist er dort, wo der Inhalt selbst das Produkt ist, also bei Verlagen, Fachdatenbanken und Nachschlagewerken. Ein Elektrobetrieb verkauft keine Texte, sondern Termine.

Was Google empfiehlt und was du weglassen kannst

Seit diesem Jahr gibt es dazu einen offiziellen Leitfaden von Google. Seine Kernaussage ist unspektakulär: Die Arbeit an der KI-Sichtbarkeit ist dieselbe Arbeit wie Suchmaschinenoptimierung. Google schreibt wörtlich, dass AEO und GEO weiterhin SEO seien.

Was laut diesem Leitfaden nichts bringt:

  • eine llms.txt anzulegen, denn die Google-Suche verwendet sie nicht
  • eine besondere schema.org-Auszeichnung für KI-Funktionen zu suchen, denn es gibt keine
  • Texte in winzige Häppchen zu zerlegen, damit die Maschine sie versteht
  • Sätze in eine vermeintliche KI-Sprache umzuschreiben
  • massenhaft Seiten anzulegen, was Google ausdrücklich als Spam wertet

Was bleibt, ist bekannt und unbequem. Die Seite muss indexiert sein und für ein Snippet in Frage kommen. Der Inhalt soll etwas enthalten, das ein Sprachmodell nicht selbst erzeugen könnte, also eigene Erfahrung, eigene Zahlen, eigene Fälle. Technisch muss die Seite sauber gebaut und abrufbar sein. Für lokale Betriebe nennt Google ausdrücklich das Google Unternehmensprofil als Datenquelle für die eigenen Angaben.

Aus meiner Sicht wird bei der KI-Sichtbarkeit oft der zweite Schritt vor dem ersten gemacht. Bevor ein kleiner Betrieb in neue Auswertungswerkzeuge investiert, würde ich prüfen, ob seine Website technisch funktioniert, ob sie die Leistungen verständlich erklärt und ob sie echte Kundenfragen beantwortet. Das klingt wenig aufregend. Ohne diese Grundlage helfen neue Kennzahlen aber nur begrenzt.

Wer in den vergangenen Jahren ordentliche Suchmaschinenoptimierung gemacht hat, muss für KI-Antworten nichts Neues lernen. Wer das nicht gemacht hat, merkt es jetzt an zwei Stellen gleichzeitig. Das ist die ehrliche Zusammenfassung von einem Jahr KI-Modus, und sie ist für viele enttäuschend, weil sie keine Abkürzung enthält.

Nimm dir eine halbe Stunde und ruf den Bericht einmal auf. Schreib auf, welche drei Seiten dort die meisten Impressionen haben, und ob es dieselben sind, die dir auch Klicks bringen. Mehr brauchst du nicht, um deine KI-Sichtbarkeit einzuordnen, und die Antwort darauf sagt dir mehr als jede Hochrechnung von außen. Wenn du wissen willst, wie sichtbar dein Betrieb in der Google-Suche und in KI-Antworten ist, sehe ich mir die Zahlen mit dir an und sage dir, was sich daraus ableiten lässt und was nicht. Ohne Werkzeuge, die mehr versprechen, als sie belegen können. Hier erreichst du mich.

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Alle Angaben wurden am 12. Oktober 2026 geprüft: der Starttermin und der Inhalt des Leistungsberichts sowie die Einstellung zur Freigabe in der Search-Console-Hilfe, die Empfehlungen im Leitfaden von Google Search Central, die Verfügbarkeit des KI-Modus in der Google-Suchhilfe, die Klickzahlen beim Pew Research Center und Googles eigene Darstellung im Unternehmensblog. Beitragsbild und Abbildung im Text sind Stockfotos von Freepik (gpointstudio, aleksandarlittlewolf).

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